Das Herrenhaus

Wenn Sie vor dem hellen, barocken Herrenhaus stehen, hütet Gartrop seine wahre Größe erst einmal wie ein Geheimnis. Denn das Gebäude umfasst vier Flügel und drei seiner Seiten sind von einer teichartigen Gräfte umgeben.

Es gibt also nur eine Möglichkeit, ins Schloss zu gelangen, ohne nasse Füße zu bekommen: Überqueren Sie den Schlosshof und halten Sie Ausschau nach dem barocken Uhrenturm, der sich im Ostturm befindet. Er weist Ihnen den Weg zum Schlossportal mit den beiden schweren Toren. Flankiert von zwei Halbsäulen führt Sie die siebenstufige Freitreppe nun direkt in die Beletage des Herrenhauses. Aber Moment – nicht so ungeduldig! Halten Sie einen Augenblick inne, bevor Sie am Ende der Treppe angelangt sind – und werfen Sie einen Blick nach oben. Sehen Sie die Zahl, die über Ihnen prangt, direkt über dem Portal?

1675: Das ist die Jahreszahl, die vom Ende der letzten, umfangreichen Bauzeit kündet. Das Herz von Gartrop schlägt natürlich schon viel, viel länger. Die Mauern des Herrenhauses enthalten tatsächlich noch Bausubstanz, die aus dem 14. Jahrhundert stammt. Wenn Sie Gartrop betreten, begegnen Ihnen somit ganze 700 Jahre Geschichte. Aber bevor Sie jetzt noch weiter ehrfürchtig auf der Freitreppe herumstehen, sollten wir weitergehen.

Im Erdgeschoss erwartet Sie nämlich das erste Highlight: Der überdachte, ehemalige Innenhof. Er wurde im Laufe der Zeit zu einer zweigeschossigen Halle umgestaltet und ist heute der absolute Mittelpunkt des Gebäudes. Und das ist kein Wunder: Durch seine Pilaster dient er nicht nur als repräsentative Eingangshalle, sondern auch als Treppenhaus – von hier aus haben Sie Zugang zu allen Räumlichkeiten des Hauptgebäudes. Durchqueren Sie ihn, um direkt zum nächsten Höhepunkt zu gelangen: Zu dem großen Barocksaal, der Beletage. Er ist der wichtigste Raum des Herrenhauses. Seine Decke zieren aufwendige Reliefstuckarbeiten, die einzigartig am Niederrhein sind – nur auf Burg Anholt werden Sie Vergleichbares finden.

Die Wände sind mit einem hellen Holzlambris verkleidet, das die antiken Spiegel rahmt. Darüber breiten sich die edlen Stoffbespannungen aus, die in allen Räumen der Beletage unterschiedliche Motive aufweisen. Der imposante Marmorkamin ist ebenfalls ein echter Blickfang: Er ist bis zur Decke hinauf vertäfelt. Doch das Herrenhaus hält noch viel mehr für Sie bereit: Die ehemaligen Wohnräume der Familie zum Beispiel, die im südlichen Flügel liegen. Dazu gehört zunächst einmal das Damenzimmer mit dem wunderschönen Jugendstilkamin. Von hier aus gelangen Sie auch auf die Terrasse des Schlosses, die Ihnen ein wundervollen Blick über den Schlosshof und den Park eröffnet. Neben dem Damenzimmer befindet sich das Herrenzimmer mit der auffallenden, violetten Wandbespannung. Auch hier gibt es viel zu entdecken: Der Marmorkamin mit den antiken, englischen Kacheln und der deckenhohen Kaminhaube. Oder die afrikanischen Jagdtrophäen, die die Wände schmücken. Wenn Sie weitergehen, geleitet Sie der Rundgang nun in das Wappenzimmer. Wie Sie wohl bereits vermutet haben, trägt es seinen Namen nicht zu Unrecht: Hier sehen Sie alle Wappen und Wappentiere der Familie, die als aufwendige Schnitzereien in den Holzverkleidungen und Portalen wieder zu finden sind.

Oh, und apropos „wiederfinden“! Im Herrenhaus gibt es noch eine weitere Kostbarkeit, die Sie sich unbedingt ansehen sollten: Die Gartroper Chinoiserien. Dabei handelt es sich um neun zusammenhängende Leinwände, die vermutlich 1765 für den Barocksaal angefertigt wurden. Auf silbrig schimmerndem, grünen Fond zeigen sie filigrane Blumen- und Rankenmalereien, exotische Vögel und chinesisch inspirierte Szenerien mit Frauen und Kindern. Sie können sich vielleicht vorstellen, dass unsere Arbeiter ihren Augen kaum trauten, als sie diese kleinen Schätze bei den Restaurierungsmaßnahmen 2005 entdeckten – und zwar unter der Tapete eines Kabinetts, das inzwischen zur Küche umfunktioniert worden war! Mit einer schöneren Überraschung als den Chinoiserien hätte Gartrop seine Wiederauferstehung kaum einläuten können …

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