13. Jahrhundert


Die Geburtsstunde: Vor der Kulisse der letzten Kreuzzüge wird der Grundstein für Gartrop gelegt. Denn erstmals findet das Rittergeschlecht der „de Gardapen“, die einmal die Herren des Schlosses werden, urkundlich Erwähnung. Aus „Gardapen“ entwickelt sich im Laufe der Zeit „Gartrop“ – als Bezeichnung für den Herrensitz und den daraus gewachsenen Ortsteil. So werden die Gardapen nicht nur Bauherren der Anlage. Sie leben im Namen des Schlosses und seines Ortes auch bis heute fort – und haben sich so unsterblich gemacht.

1375


In der deutschen Geschichte ist das 14. Jahrhundert ein dunkles Kapitel, geprägt von Naturkatastrophen, Hungersnöten und der Pest. Doch davon völlig unberührt hinterlässt im mittelalterlichen Hünxe Schloss Gartrop erstmals selbst seine Spuren: Im Jahr 1375 wird ein Burghaus an dem Ort erwähnt, an dem auch heute noch das Schloss steht. Über die Jahrhunderte hinweg werden daran stetig Veränderungen und Erweiterungen vorgenommen. Einen Teil dieser ursprünglichen Bausubstanz finden Sie jedoch noch heute: im jetzigen Nordwest-Flügel.

1400


Auf Burg Lahneck kommen die Kurfürsten zusammen und treffen einen folgenreichen Entschluss: Sie erklären den römisch-deutschen König Wenzel für untragbar und setzen ihn ab. Fernab kommt es auch auf Schloss Gartrop zu einer dramatischen Endzeit: Die de Gardapen drohen „auszusterben“, es fehlt ein männlicher Erbe. Doch dann wird eine Tochter geboren, die auf den klangvollen Namen „Herberga“ getauft wird. Herberga heiratet im Jahr 1400 Heinrich Hüchtenbruck, den Drosten von Orsoy, und bringt das Schloss so in den Besitz ihres Mannes. Gemeinsam bekommen sie fünf Kinder und begründen den Familienstamm der von Hüchtenbrucks zu Gartrop. Seine Mitglieder werden die Geschichte des Schlosses fortan besonders prägen – und den Herrensitz wieder mit Leben füllen.

15. Jahrhundert


Ganze 14 verlustreiche Kriege werden in diesem Jahrhundert in Europa geführt. Dagegen erleben die Bewohner von Schloss Gartrop eine Blütezeit: Heinrich kann die Besitztümer der Familie mehren. Die von Hüchtenbrucks steigen zu einer der einflussreichsten Adelsfamilien in der Grafschaft und dem späteren Herzogtum Kleve auf. Und damit wird auch ihr Einfluss von Generation zu Generation größer: Bald dienen sie den brandenburgischen Kurfürsten und später sogar den preußischen Königen. Schloss Gartrop aber bleiben sie treu.

16. Jahrhundert


Auf der großdeutschen Bühne beginnt der erste Akt der religiösen „Erneuerung“: die Reformation, die auch von den von Hüchtenbrucks unterstützt wird. Derweil erneuert sich auch Gartrop: Ein weiterer Gebäudeteil wird im Südwesten errichtet, der Südostflügel wird weiter ausgebaut. Somit ist Schloss Gartrop nun eine ansehnliche Winkelburg mit drei Flügeln und einer Tormauer.

1609


Die Familie erlebt einen neuen Höhepunkt: Albrecht von Hüchtenbruck wird mit der Würde eines Erbkammerherrn belehnt. Eine große Ehre! Rund vier Jahrzehnte später haben sich die von Hüchtenbrucks als feste Größe im Herzogtum Kleve etabliert und dienen sogar den Kurfürsten von Brandenburg und den Königen von Preußen. Die Familie steht im Zenit ihrer Macht – knapp 100 Jahre später, im Jahr 1704, wird selbst der König, Friedrich I. von Preußen, an die Pforten von Gartrop „klopfen“ und um Geld bitten. So kann er dank der von Hüchtenbrucks das nahegelegene Schloss Moyland erwerben.

1646


In den Ausläufern der Renaissance und des Dreißigjährigen Krieges wird den Herren von Gartrop ein weiteres Privileg zuteil: Der Große Kurfürst verleiht ihnen die Gerichtsbarkeit über Gartrop, Bühl, Heeren und Gahlen. Damit sind die von Hüchtenbrucks nun auch die Hüter des Gesetzes – eine verantwortungsvolle wie machtvolle Aufgabe!

1650


Gartrop brennt! Ein Feuer zerstört große Teile des Schlosses, so dass ein teilweiser Neubau unumgänglich ist. Doch Albert Gisbert, Oberhaupt der Familie und frischgebackener brandenburgischer Amtskammerpräsident in Kleve, plant mehr als „nur“ einen Wiederaufbau: Gartrop soll noch prächtiger werden als zuvor! Er selbst wird das neue Gartrop nicht mehr erleben. Albert Gisbert stirbt 1665 – in dem Jahr, in dem die Bauarbeiten beginnen. Und auch sein Sohn Gisbert Wilhelm, der das Erbe übernimmt, stirbt schon 1673. So ist es an dem zweiten Sohn, Albert Georg, die Pläne des Vaters umzusetzen. 1675 ist es dann soweit: Gartrop ist wie ein Phönix aus der Asche auferstanden – und tatsächlich schöner denn je. Es hat nun vier Flügel, mehrere Salons in der Beletage und einen großen Festsaal mit einer traumhaften, barocken Stuckdecke – die einzige am Niederrhein, die noch erhalten ist. Im Obergeschoss befinden sich die großzügigen Privaträumlichkeiten der Familie. Und genau so kann Gartrop auch heute, rund 350 Jahre später, noch besichtigt werden.

1698


1641 stiften die von Hüchtenbrucks ihrer Stadt eine eigene Gemeinde. Zunächst werden die Gottesdienste im Schloss abgehalten, doch 1698 bekommt das Anwesen eine eigene Kapelle. Diese Kapelle wird in den kommenden 300 Jahren Anlaufstelle für die Menschen aus der Umgebung sein: Bis zum Jahr 1990 werden hier regelmäßige Gottesdienste abgehalten. Und noch heute stehen die Türen der Kapelle für Hochzeitsfeiern und Tauffeste offen.

1716


Während der preußische König Friedrich Wilhelm I. dem Zaren Peter I. das legendäre Bernsteinzimmer schenkt, bleibt den von Hüchtenbrucks auf Gartrop ein Geschenk verwehrt: ein männlicher Nachfolger. Mit dem Tod von Georg von Hüchtenbruck im Jahr 1716 stirbt die männliche Linie der Familie erneut aus. Doch Georg, Vater zweier Töchter, hatte noch zu Lebzeiten seinen Enkel, Wilhelm Albrecht Freiherr von Quadt zu Wickrath, als Erben eingesetzt. Dieser muss nur eine Bedingung erfüllen: Er soll seinen Namen und sein Wappen, einen Löwen, mit dem Wappen der von Hüchtenbrucks vereinen – einem Einhorn. Das tut er auch – und der Fortbestand der Familie und ihres Schlosses ist einmal mehr gesichert.

1720


Zwei symbolträchtige Figuren halten Einzug in Gartrop: Athene, die Göttin der Weisheit, und Concordia, die Göttin der Eintracht und des Friedens. Die beiden Damen zieren die neu erbauten Torhäuser des Eingangstores in Lebensgröße – und begrüßen fortan jeden, der das Schlossgrundstück betritt.

1765


In Gartrop knallen die Korken: Karl Wilhelm von Hüchtenbruck wird in den Grafenstand erhoben. Zu seiner Ernennung fährt der frischgekürte Erbmarschall nach Berlin. Und er kehrt nicht mit leeren Händen zurück: In seinem Auftrag werden in der Manufaktur Joel wertvolle Chinatapeten aus der Hand des Malers angefertigt, der auch den Teepavillon von Friedrich dem Großen gestaltet hat. Die Chinoiserien schmücken fortan die Wände in Gartrop – bis sie plötzlich verschwinden und in Vergessenheit geraten. Doch hunderte Jahre später, bei den Restaurierungen 2005, staunt man im Schloss nicht schlecht: Hinter einer Verkleidung kommen die filigranen Kunstwerke wieder wohlbehalten zum Vorschein. Sie sind heute ein einzigartiges Schmuckstück, das es so nur auf Schloss Gartrop zu bewundern gibt.

1805


Nicht immer sind aller guten Dinge drei: Zu Beginn des 19. Jahrhunderts steht die männliche Linie der Familie wieder einmal an einem Ende. Doch wieder gibt es eine Erbtochter, die Gartrop in eine neue Ära führt. 1805 heiratet die Erbin von Gartrop, Constance Hermine, den Obersten Freiherr von Nagell. Fast zwei Jahrhunderte lang werden die von Nagells von nun an Herren des Schlosses sein.

1828


Was wäre ein Schloss ohne einen entsprechenden Garten? Dieser Gedanke geht auch in Gartrop um. Und so verpflichtet man den bekanntesten Gartenexperten seiner Zeit: Maximilian Friedrich Weyhe. Er hat schon die Stadtparks von Düsseldorf, Aachen und sogar von Brüssel gestaltet – und soll nun den Schlosspark im englischen Stil umbauen. Weyhe bezieht in seine Planungen auch den alten Baumbestand mit ein. So stehen noch heute Bäume im Park, die hunderte Jahre alt sind. Und manch‘ Besucher wird sich fragen, was sich unter ihren verschwiegenen Wipfeln im Laufe der Zeit so alles zugetragen haben mag …

1836


Die Welt ist in Bewegung: Mexiko erklärt sich für unabhängig, in Sachsen wechselt der Thron und Arkansas wird 25. Bundesstaat der USA. In Gartrop dagegen bewegt sich die Vorburg: Sie wird vom heutigen Schlossvorplatz in nördliche Richtung verlegt. Der Umzug umfasst die Stallungen, die Schreinerei und Räucherkammer, eine Bäckerei, die Wagenremise und die Wohnungen des Personals. Das Herrenhaus dagegen wird schon 1829 umgebaut und verfügt nun über etwas, das heute selbstverständlich (und zum Glück um einiges luxuriöser) ist: Bäder und Toiletten.

Ende des 19. Jahrhunderts


Kleinere Verschönerungsmaßnahmen verändern das Gesicht Gartrops erneut: Der östliche Teil des Innenhofs erhält nun auch eine Überdachung – er wird durch eine große Sichtkuppel zu einer imposanten, zweigeschossigen Halle umgebaut. Sie ist heute Ort für rauschende Partys und Empfänge und kann für jede erdenkliche private Feierlichkeit angemietet werden. Auf der Schwelle zum 20. Jahrhundert, im Jahr 1899, werden zudem die Vorburg und die Remise vergrößert. So kennt Gartrop auch nach rund 500 Jahren Lebensweg keinen Stillstand.

1902


Ganz Gartrop steht Kopf: Der Kaiser persönlich hat sich angekündigt! Wilhelm II. weilt zur Einweihung des neu gestalteten Willibrordi-Doms in Wesel und will auch dem Wasserschloss in Hünxe einen Besuch abstatten. Und so wird gewienert und geputzt, um das Schloss in vollem Glanz erstrahlen zu lassen. Mit Erfolg! Am 21. Juni trifft der Monarch auf Gartrop ein – und ist sichtlich angetan. Am gleichen Tag wird in seinem Beisein die sogenannte „Kaisereiche“ gepflanzt. Der mächtige Baum steht noch heute an der Zufahrt zum Schloss – als lebendige Erinnerung an den berühmtesten Besucher Gartrops.

1945


Eines der dunkelsten Kapitel der europäischen Geschichte nähert sich seinem Ende – und es grenzt an ein Wunder, dass Gartrop nach dem Ersten auch den Zweiten Weltkrieg fast unbeschadet übersteht. Bis 1945 bietet es den Familienangehörigen des Schlossbesitzers, die ihr eigenes Hab und Gut verloren haben, Zuflucht. Und für einige Zeit dient das Herrenhaus mit seinen Nebengebäuden sogar als Lazarett! Am 26. März 1945, kurz vor Kriegsende, kommen schließlich die amerikanischen Truppen in Hünxe an und quartieren sich im Schloss ein. So bleibt Gartrop zwar äußerlich unbeschadet – doch die Schatten des Krieges haben auch seine Seele nicht unberührt gelassen.

1950-1970


Nach den Wirren des Krieges kehrt in Gartrop langsam wieder Normalität ein – und mit ihr findet auch die Fröhlichkeit den Weg zurück in die Schlossmauern. Die Kinder des Baron rutschen verbotenerweise die langen Treppengeländer herunter und spielen in den Räumen Versteck, im Gewölbe verarbeitet man das Wild aus dem eigenen Forst für ausgelassene Festessen – und im Brunnen neben der Kapelle wird im Sommer das Bier gekühlt. Kurzum: Gartrop ist endlich wieder ein Ort voller Geselligkeit und Lebensfreude!

1993


Schlossherr Egbert Freiherr von Nagell zu Gartrop verkauft das Anwesen ohne die dazugehörigen Ländereien – nach 185 Jahren geht die Ära der von Nagells damit zuende. Der neue Besitzer von Gartrop ist ein Privatunternehmer und es scheint zunächst, als würden gute Zeiten für das Schloss anbrechen. Fünf Jahre lang wird das Anwesen renoviert. Doch der Park verwildert zusehends und schließlich muss der Eigner Konkurs anmelden. Gartrop ist dem Verfall preisgegeben – der fünfzehnjährige Dornröschenschlaf des Schlosses beginnt.

2000


Schon ganze sieben Jahre liegt Gartrop in tiefem Schlaf: unbewohnt, verlassen und verwildert. Im Jahr 2000 beginnt dann das Versteigerungsverfahren, das weitreichende Folgen haben wird. Denn im Zuge dieses Verfahrens wird das Wegstück, das von den Torhäusern bis zur Brücke über den Wassergraben führt, vom übrigen Besitz abgetrennt – und unabhängig davon versteigert. Erst vier Jahre später, im Jahr 2004, beginnt dann die Versteigerung des Schlosses und seiner Nebengebäude – ohne die historische Zufahrt.

2004


Ein verwilderter Schlosspark, darin ein verfallenes, einsturzgefährdetes Schlossgebäude: So sieht Gartrop im Jahr 2004 aus. – Das Anwesen erhaelt erneut einen neuen Eigentuemer und wird durch umfangreiche Erhaltungsmaßnahmen vor dem drohenden Verfall gerettet. Neben den Fachkräften der beauftragten Firmen trägt ein eigens angestelltes Team von rund 20 Mitarbeitern – darunter Maurer, Maler, Gartenfachkräfte und Schreiner – mit viel Liebe zum Detail dazu bei, das Wasserschloss wieder herzurichten. Mit ihrer Hilfe findet Gartrop in den nächsten Jahren Stück für Stück zu altem Glanz zurück.

2005


Da die historische Zufahrt nicht mehr genutzt werden kann, muss sie durch eine neue ersetzt werden – und das wird für Gartrop in jeglicher Hinsicht zu einem Glücksfall. Denn die neue Zufahrt ist nicht nur romantischer als die alte: Sie verläuft durch den Wald des Schlossparks und dreht dann in barocker Linie frontal auf das Hauptportal zu. Das hat auch zur Folge, dass der Vorplatz vom Autoverkehr befreit wird – und deshalb heute als Terrasse für stimmungsvolle Empfänge und Feierlichkeiten genutzt werden kann. 2005 eröffnet auf dem Schlossgelände dann ein Restaurant mit Biergarten. Gartrop füllt sich langsam wieder mit Leben und blickt hoffnungsvoll in die Zukunft.

2007


In neuer Pracht. Die Renovierungsarbeiten am Herrenhaus sind in vollem Gange: Gartrop erstrahlt schon fast wieder in voller Pracht! Nach rund 15 Jahren – noch während der Bauphase – öffnen sich erstmals wieder die Schlosstore für die Öffentlichkeit: 6.000 Menschen nutzen die Gelegenheit, „ihr“ Gartrop zu besuchen und sich einen Eindruck von den Renovierungen zu machen.

2014


Schloss Gartrop erhält neue Eigentümer, die den Hotelbetrieb und den Veranstaltungbetrieb weiterentwickeln. Die Schlossanlage wird in den nächsten Jahren Ihre finale Ausbaustufe erfahren. Bleiben Sie neugierig. …